Am frühen Morgen lacht wieder die Sonne und wir können draußen frühstücken. Ich mache Rührei und Speck… mit ungeplanter Heueinlage. Mir ist nämlich die Pfanne vom Kocher gekippt, und der schöne knusprige Speck landete auf den Schottersteinchen und trocknen Gras. Also alles fein säuberlich wieder eingesammelt und zurück in die Pfanne sortiert. Beim Essen ist dann nichts Auffälliges mehr festzustellen – alles Bestens.
Gegen 11 Uhr geht’s weiter Richtung Graus – laut Hinweistafel gibt’s dort eine Entsorgungsmöglichkeit. Der Weg dahin ist ziemlich schmal und kurvig, aber schließlich erreichen wir den Stellplatz und können kostenlos Ver- und Entsorgen.
Danach fahren wir die enge Strecke wieder zurück und entdecken unterwegs einen geöffneten Supermarkt. Perfektes Timing. Die Frau springt schnell raus, während ich einen Parkplatz suche – dafür muss ich allerdings erst wenden. Als ich zurückfahre, zeigen mir entgegenkommende Fahrer den erhobenen Zeigefinger. Upps – Einbahnstraße.
Die Frau kommt mit frischem Roggenbrot und Grillgut vom Einkauf zurück.
Weiter geht’s, über die N123 bis Barbastro und dann die A22 bis Huesca, läuft alles wunderbar ruhig – keine Kurven, keine Schlaglöcher, einfach entspanntes Fahren.
In die Berge
Ab Huesca nehmen wir die A132 Richtung Nordwesten und dann die HU534 nach Agüero. Dort warten die malerischen roten Berge, die ich unbedingt fotografieren will.



Die Straße wird zunehmend anspruchsvoller: erst einspurig, dann mit Schlaglöchern, später nur noch ein erdiger, steiler und kurviger Weg mit hineinragendem Gestrüpp. Dafür bieten sich ständig neue Motive. Die Frau steigt gefühlt alle paar Meter ein und aus – 4000 Schritte gehen locker auf ihr Konto. Ich hingegen setze so oft zurück, dass der Tachostand wahrscheinlich nicht mehr stimmt.




Für die Mittagspause halten wir an einem schönen Platz: Salat und frisches Brot, dann geht’s weiter mit den Fotostopps.
Durchs Wasser
Das Rangieren ist dabei nicht immer einfach. Beim Rückwärtsfahren durch einen Wasserlauf verschätze ich mich etwas und komme zu nah an den Rand – es knirscht. Das rechte Vorderrad rutscht ins tiefere Wasser. Sieht dramatischer aus, als es ist: Das Knirschen sind nur die Steine im Bachbett. Ich komme problemlos wieder heraus und erreiche nach einigem rangieren auch die andere Seite. Eigentlich wäre es einfacher gewesen, wenn die Frau die kleine Steinbrücke daneben zu Fuß genommen hätte – beim nächsten Mal.



Und tatsächlich: Das nächste Mal kommt. Wir fahren wieder gemeinsam durch die Furt, danach wende ich, während die Frau auf der Brücke steht und filmt.




Wir machen noch einige weitere Fahr- und Wegeaufnahmen, immer wieder mit Anweisungen und Wiederholungen. Danach schaue ich mir das Material an. Mein Gesichtsausdruck verrät wohl mehr, als mir lieb ist – oft entspricht es nicht ganz meinen Vorstellungen. Am Ende winke ich ab: passt schon. Die Frau sieht das anders und würde lieber noch perfektionieren.
Die Strecke selbst ist großartig: abwechslungsreich, manchmal anspruchsvoll und mit tollen Ausblicken – und wir haben alles ohne nennenswerten Schaden überstanden. Jetzt fehlt nur ein würdiger Nachtplatz. Den finden wir etwas abseits der A1202, auf einem holprigen Weg mit Blick zurück auf Agüero.

Dort gibt’s ein Käffchen im Grünen, dazu neue spanische Reiswaffeln – und das Fazit: ein rundum erfolgreicher Tag.
Ruhige Nacht, kein Wind – so mag ich das. Am Morgen schiebt sich die Sonne langsam über die Berge, richtig schöner Start in den Tag, auch wenn’s noch frisch ist. Die Frau frühstückt lieber drin, will aber draußen Haare waschen. Zeit haben wir genug. Sie ist trotzdem in Rekordtempo fertig und um kurz nach zehn sind wir unterwegs.




Die Strecke Richtung Wüste ist entspannt zu fahren, kein rumpeln, keine Büsche, einfach nur dahin rollen. Es geht über Biel, Uncastillo bis Sádaba – und da finde ich abseits der Hauptstraßen eine Tankstelle mit aktuell richtig gutem Preis: Diesel für 1,65 €. Danach geht’s weiter und rein in die Wüste, in den Parque Natural de las Bardenas Reales.


Zur Bardenas Reales
Ab da wird’s staubig. Unbefestigte Piste, hart wie Beton, und wir ziehen eine ordentliche Wolke hinter uns her. Jedes Auto sieht man schon von Weitem – eigentlich ganz cool. Die Landschaft ist beeindruckend, aber für eine Halbwüste ziemlich grün, denn viele Flächen werden Landwirtschaftlich genutzt.



In der Ferne erkennen wir zahlreiche Staubfahnen die von anderen Fahrzeugen stammen. Daher verbringen wir die Mittagspause im „grünen“ Teil der Halbwüste, wo nur gelegentlich ein Fahrzeug vorbei kommt.



Je näher wir an die Ringstraße, die um das Militärgelände herumführt, fahren, desto voller wird es. PKW, Wohnmobile, Motorräder, Radfahrer, Fußgänger – irgendwie zu viel des Guten. Dazu die Sonne, die bei 29°C ordentlich brennt. Für das Foto mit dem markanten Felsen „Castil de Tierra“ und unserem Esel musste ich angesicht der vielen Fahrzeuge und Menschen nicht nur Fototechnisch tricksen, sondern auch resolut vorfahren.




An einem Aussichtspunkt wollen wir hoch aufs Plateau, aber die Treppen sind steil, ausgewaschen und rutschig. Ich schaue mir das an und denke: Muss nicht sein. Die Frau sieht das genauso – wir drehen um und machen unsere Fotos lieber von unten. Auch gut.





Kein Übernachtungsplatz
Danach geht’s wieder Richtung Norden, einen Übernachtungsplatz suchen. Ich habe da was im Blick: über Uncastillo und dann in die Berge. Die Strecke wird genau so, wie ich sie mag – schmal, steil, kurvig und ordentlich rumpelig. Der Esel wird durchgeschüttelt, Äste kratzen, Bodenwellen kommen gefährlich nah – aber alles im Rahmen.
Oben angekommen suchen wir uns einen Platz. Aussicht passt, aber der Wind kommt wieder auf. Ich würde lieber anders stehen – sicher ist sicher. Die Frau sieht das entspannter und will so bleiben. Und dann rutscht mir so ein klassischer Satz raus… „Dann bleiben wir halt so, wenn du das willst.“ War etwas unbedacht. Entsprechend gibt’s eine kurze, aber deutliche Rückmeldung 😄

Übernachtungsplatz mit Aussicht
Also schauen wir uns den Weg nochmal genauer an. Da kommt eine sehr steile Abfahrt. Nach eingehender Prüfung denke oder hoffe ich: Das geht schon. Ich hole den Esel, die Frau lotst mich über die Kante – Bodenfreiheit keine 5 cm. Passt. Runter geht’s mit ordentlich Gefälle, bestimmt 40 %, auch ohne Assistenzsystem kein Problem.

Unten wieder hoch auf die nächste Kuppe – und da ist er: der perfekte Platz. Leicht geneigt, Blick in beide Richtungen, bis zu den schneebedeckten Bergen. Ich setze rückwärts drauf und der Esel steht perfekt. Genau so stelle ich mir das vor.


Abends dann der Lohn: ein Wahnsinns-Sonnenuntergang, klarer Himmel, Sterne ohne Ende. Ich sehe sogar ein paar Sternschnuppen, Satelliten ziehen vorbei. Wir stehen stabil im Wind – alles richtig gemacht.


