In der Nacht hat es uns immer wieder ordentlich durchgeschüttelt. Der Wind kam in kräftigen Böen, aber ich hatte trotzdem das Gefühl, dass wir hier sicher stehen. Kein Grund zur Sorge also – nur etwas unruhiger Schlaf.

Am Morgen dann ein gutes Frühstück mit Brot und Rührei. Sehr lecker, auch wenn wir zunächst noch im Schatten saßen und die Aussicht etwas auf sich warten ließ. Als die Sonne den Platz im Tal erreichte, waren wir startklar.
Da der Wind wohl erst mal nicht nachlassen würde, blieben wir auf der N260. In Ripoll haben wir getankt (1,81€), dann ging es weiter Richtung Norden bis nach Planoles. Am Bahnhof dort kann man entsorgen, allerdings ist die Zufahrt recht eng – mit einer Balkonwarnung von 2,85 m. Also immer nach oben schauen und die Balkone mit Abstand umfahren. Der Stellplatz am Bahnhof ist neu und wirklich gelungen. Beim Entsorgen kam gerade der Bürgermeister vorbei und fragte mich, ob alles in Ordnung sei. Er hat sich über die Nutzung gefreut und war erkennbar Stolz auf den neuen Platz.
Danach haben wir die Route weiter geplant. Mit dem Wind war es gar nicht so einfach, einen schönen Platz mit Aussicht zu finden. Wir haben uns schließlich eine Ecke nördlich von La Molina ausgesucht.
Besuch im Dorf Dòrria
Auf dem Weg dorthin fiel mir das kleine Dorf Dòrria auf, das sich an den Berg schmiegt. Eine schmale, einspurige Straße führte hinauf. Der Abzweig war ziemlich spitz, sodass wir beim Einbiegen kurz zurücksetzen mussten. Danach ging es steil bergauf, Kurve um Kurve, bis wir am Ortsrand anhalten konnten. Zu Fuß haben wir uns die Häuser angesehen: größtenteils schön renovierte Natursteingebäude, sehr idyllisch in der Sonne. An einem Haus hing sogar ein Defibrillator.










In der warmen Sonne fühlte ich mich fast wie auf Sardinien. Entsprechend habe ich ein paar Wanderer zunächst mit „Buongiorno“ begrüßt, dann schnell noch ein „Hallo“ hinterhergeschoben – erwidert wurde mit „Hola“. Da war klar: wir sind doch in Spanien. Das passiert mir unterwegs immer mal wieder.
Die Weiterfahrt war dann ziemlich kurvig, oft waren nur 40 km/h erlaubt. Nach einem letzten Fotostopp am Collada de Toses sind wir auf einen unbefestigten, recht holprigen Weg abgebogen. Hier war der Wind deutlich schwächer und die Karte versprach geeignete Übernachtungsplätze.


Kurz darauf mussten wir jedoch anhalten: Vor uns stand ein PKW mit fünf jungen Männern, die vor den im Schatten liegenden Schneeresten gestoppt hatten. Sie versuchten Schneesocken aufzuziehen. Das war interessant zu beobachten – so richtig wusste keiner, wie es funktioniert. Gemeinsam haben sie es schließlich geschafft und sind vorsichtig über den schneebedeckten Weg gefahren. Es war das erste Mal, dass ich solche Schneesocken in Aktion gesehen habe. Scheint jedenfalls zu funktionieren. Im weiteren Verlauf der Reise haben wir noch öfter Fahrzeuge mit „Snow Socks“ gesehen. Wir haben noch kurz gewartet, dann sind wir hinterher. Unser „Esel“ kam problemlos durch.




Ein Stück weiter begegneten wir ihnen wieder – die Schneesocken waren bereits abgezogen und hingen zum Trocknen aus dem fahrenden Auto. An einer Kreuzung trennten sich unsere Wege, und ich suchte weiter nach einem Stellplatz. Leider war am vorgesehenen Platz ein Schild welches eine Übernachtung mit 300 Euro deklarierte. Das ist inakzeptabel, außerdem wollen wir legal übernachten, also wenden und weiter suchen.
Zwischendurch sahen wir die Jungs noch einmal – sie hatten sich an einem Grillplatz eingerichtet. Wir fuhren weiter. Einige Plätze wären möglich gewesen, aber entweder fehlte uns die Aussicht oder es war zu dicht im Wald. Nach einigem Rangieren fanden wir schließlich doch noch einen guten Platz mit Blick ins Tal. Windgeschützt, ruhig, genau passend.


Hier oben war es inzwischen ruhig, kaum Wind, Sonne – eine angenehme Stimmung. Fast hätten wir den Platz für uns allein gehabt, bis die Jungs wieder auftauchten und ihr Auto in unserer Nähe abstellten, offenbar in Sichtweite ihrer aufgebauten Zelte.

Mal sehen, wie die Nacht wird. Hoffentlich bleibt es diesmal ruhig.
Die Sonne schiebt sich über die Berge und blinzelt durch die Wolken. Klar, dass es mich da sofort rauszieht – Kamera schnappen und los. Ich stapfe hinaus und halte den Morgen fest. Ich bin ziemlich zufrieden mit den Bildern, denn kurz darauf gewinnen die Wolken überhand.



Während wir Frühstücken packen die Jungs ihr Zelt zusammen und machen sich irgendwann still und heimlich davon – plötzlich ist es richtig ruhig.
Unser neuer Wasserhahn liefert nicht soviel Wasser wie ich erwartet hatte, also kümmere mich noch schnell um die Wasserpumpe. „Schnell“ ist gut… ich löse den Schlauch und zack – Bett voll Wasser. Ich hatte natürlich nicht auf dem Schirm, dass da noch Druck drauf ist. Hat ordentlich gespritzt. Memo an mich: Stärkere Wasserpumpe einbauen!
Später ziehen wir los, laufen über die Hügel und durchs Tal, schauen uns den Grillplatz an und freuen uns bei der Rückkehr jedes Mal über den warmen Esel – herrlich. Nebenbei schiele ich ständig zum Himmel, denn eigentlich soll Schnee kommen. Erst kommen nur ein paar müde Flocken herunter, fast schon enttäuschend.





Aber dann legt es los. Die Flocken werden dichter, lebendiger, und langsam überzieht eine puderzuckrige Schicht alles um uns herum. Genau so habe ich mir das vorgestellt. Dumm nur, dass es inzwischen dunkel wird. Egal – ich kann’s nicht lassen und gehe nochmal raus, um das Schneetreiben einzufangen.



Jetzt bin ich gespannt, wie es hier morgen früh aussehen wird.