Der Tag beginnt mit einem roten Himmel und viel Sonne – sieht nach bestem Wetter aus. Trotzdem frühstücken wir drinnen, es ist noch ziemlich frisch. Schweren Herzens geht’s weiter Richtung Osten. Die Rückreise schiebt man ja gern so lange wie möglich vor sich her.

Über die A132 geht’s Richtung Bailo. Überall Baustellenfahrzeuge, aber keine Menschenseele sonst. Wir fahren vorsichtig über frischen Asphalt, bis uns ein LKW entgegenkommt – ich weiche auf den Rand aus, über eine ordentliche Asphaltkante von mindestens 30 Zentimeter. Am Ende der Strecke steht ein Posten, schaut uns etwas verdutzt an, winkt uns aber durch. Kein Wunder: Die Straße ist eigentlich gesperrt. Uns hat wohl keiner vom Waldweg kommend erwartet.

Weiter über die A21 nach Jaca. Dort gibt’s einen Stellplatz mit Ver- und Entsorgung und einen Supermarkt. Wir teilen uns auf: Die Frau geht einkaufen, ich kümmere mich um den Esel – eine schnelle Grundreinigung muss sein.

Dann weiter über die A23 und die N260 Richtung Osten, bis Campo, und von dort auf die HU-V9601. Zwischen Fiscal und Boltaña finden wir einen Abzweig runter zum Fluss. Perfekt für die Mittagspause. Ich mache Hähnchenspieße, die Frau einen Salat, dazu Baguette. Das Wasser rauscht ordentlich, dazu kommen Wanderer und Kajakfahrer vorbei – ganz schön lebendig hier.

Lange bleiben wir nicht, die Sonne brennt. Also weiter. Die Straße führt zur A1605, mit dem Hinweis: Von 9:30 bis 15:30 Uhr wegen Bauarbeiten gesperrt. Es ist jetzt 14:45 Uhr – also fahren wir etwas langsamer. Acht Kilometer vor unserem Ziel werden wir von einem Sicherungsposten gestoppt. 15 Uhr – Zeit für ein Eis aus dem Gefrierfach 🙂

Hinter uns wird gehupt, aber es geht erst um 15:20 Uhr weiter. Am nächsten Posten will man wissen, wo wir hinwollen, doch noch bevor ich antworten kann, kommt über Funk die Freigabe. Wir sind das erste Fahrzeug – passt.


Wieder am Steinbruch

Am Stellplatz angekommen stehen schon zwei Wohnmobile auf „unserem“ Platz. Also fahren wir ein Stück höher und stellen uns neben ein Gebäude der Trinkwasserversorgung. Auch okay – mit Blick auf Bonansa. Wir bleiben nur eine Nacht, denn morgen müssen wir vor 9 Uhr los, sonst sitzen wir hier wieder fest.

Zum Abschluss gibt’s noch einen Cappuccino in der Sonne und Erdbeeren – die Frau konnte mal wieder nicht widerstehen. So lässt sich der Tag gut beenden.


Frühstart

Der heutige Donnerstag beginnt wie immer mit einer Tasse Kaffee. Doch diesmal geht es direkt danach ans Anziehen und Aufräumen – wir wollen früh los, schließlich wird die Straße ab 9:30 Uhr gesperrt.

Kurz hinter Bonansa stehen wir schon vor der ersten Absperrung. Ein Bagger muss noch aus dem Weg, dann dürfen wir weiter und sind bald durch die Baustelle. Jetzt fehlt nur noch ein schöner Platz fürs Frühstück. Nach rund 30 Kilometern werden wir fündig – am Coll de la Creu de Pervés, den ich kurzerhand „perverses Kreuz“ nenne. Sonnig, ruhig und nur zwei andere Camper. Wir machen es uns bequem und unser Frühstück bei offener Schiebetür in der Morgensonne.

Weiter geht’s auf der N260 Richtung Osten. In Sort habe ich über die App eine günstige Tankstelle entdeckt. Also fahren wir rein – und finden erstmal nichts. Statt über die Brücke zu fahren, geht es weiter geradeaus. Meine Frau sucht im Navi und stellt fest: Die Tankstelle liegt auf der anderen Flussseite, was in der App nicht zu erkennen war. Also wenden. In den engen Einbahnstraßen leichter gesagt als getan. Irgendwann geht es nicht mehr weiter, also fahre ich kurzerhand ein Stück entgegen der Fahrtrichtung zurück zur Hauptstraße – wieder begleitet von erhobenen Zeigefingern. Über die Brücke, durch eine extrem schmale Straße und einmal um ein Fabrikgebäude herum – da ist sie endlich. Ziemlich versteckt, aber bei 1,73 €/L Diesel nimmt man das gerne in Kauf.


Wieder raus aus dem Ort und rauf auf den Berg. Oben gibt es einen schönen Rastplatz – Zeit für einen Cappuccino mit Aussicht. Danach folgen wir weiter der N260 über Alp. Die Strecke wird etwas umständlich, weil uns die Navigation auf eine kurvige Bergstraße schickt. Ich hätte vermutlich einfach wenden sollen, aber gut, jetzt ist es so.

Zur Mittagszeit wird es langsam Zeit für eine Pause, doch ein passender Platz lässt auf sich warten. Meine Frau meint, auf dem Weg zu unserem früheren Schnee-Übernachtungsplatz könnte etwas sein. Also fahren wir bis zu einer Hütte und machen dort Pause. Es gibt Wraps mit dem restlichen Hähnchenfleisch von gestern. Nach einem kurzen Spaziergang geht es wieder zurück auf die Strecke.

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Coll de Meianell – 2. Versuch

Kurz vor dem Ende unserer Reise möchte ich versuchen, den Coll de Meianell von der Westseite zu erreichen. Ihr erinnert euch, bei der Anfahrt von Osten mussten wir wegen der Schneefelder umkehren.

In Ribes de Freser verlassen wir die N260 und fahren durch den Ort nach Norden. Enge Einbahnstraßen, scharfe Kurven – nicht gerade angenehm. Kaum sind wir draußen, geht es weiter auf einem schmalen, einspurigen Betonweg Richtung Ribes Altes. Kein Platz zum Ausweichen, auf der einen Seite der Hang, auf der anderen der Berg. Hoffentlich kommt uns keiner entgegen.

Im Wald wird es dann richtig interessant: Sturmholz überall, abgesägte Bäume am Wegesrand. Anfangs noch gut fahrbar, doch dann wird die Strecke immer schlechter – Schlaglöcher, Geröll, Felsbrocken. Eine ordentliche Rüttelpiste. Und als es endlich etwas besser wird, liegt Schnee vor uns. Ein entgegenkommender Pickup-Fahrer sagt, dass er nach 200 Metern aufgeben musste. Ich probiere es auch mal – keine Chance. Der Schnee ist zu hoch. Nur 900 Meter vom Pass entfernt brechen wir ab.

Unser Esel ist länger als der Weg breit ist. Also geht es zunächst rückwärts zurück. Nicht gerade meine Lieblingsübung, vor allem mit dem Abhang neben uns. An einer halbwegs geeigneten Stelle versuche ich zu wenden. Die Frau steigt aus und weist mich ein, läuft nach vorne und nach hinten immer hin und her – klappt ganz gut. Vorwärts fährt es sich dann doch deutlich entspannter ins Tal. Kurz darauf finden wir einen geeigneten Platz für die Nacht. Ich stelle den Esel ab, und damit ist Feierabend: Kaffee, Kekse, fertig.


Zum Mittelmeer

Die Nacht war ruhig, niemand hat uns aus dem Nationalpark vertrieben. Nach dem Aufstehen duschen wir, dann gibts draußen Frühstück. Anschließend fahren wir den Berg wieder hinunter. Ein anderes Wohnmobil auf Iveco Daily Basis folgt uns, sie sind im Schnee nur 200 Meter weiter gekommen. Wir fahren gemütlich, halten für Fotos und einmal, um einen Ast aus dem Weg zu räumen. Meine kleine Handsäge leistet dabei wieder gute Dienste.

Irgendwann haben wir die Rüttelpiste hinter uns und rollen wieder ruhig über Beton. Ein ganz anderes Fahrgefühl. Das andere Wohnmobil steht am Wegrand, der Fahrer liegt unter dem Fahrzeug und repariert etwas an der Vorderachse. Scheint aber alles im Griff zu haben und kommt ohne unsere Unterstützung aus.

Wir fahren weiter, wieder durch die engen Straßen von Ribes de Freser, und setzen unseren Weg Richtung Mittelmeer fort. In Ripoll wollen wir entsorgen, doch der Platz ist gesperrt – irgendeine Veranstaltung mit Rally-Fahrzeugen. Also weiter.

Über Olot geht es Richtung Figueres. An einem Kreisverkehr biege ich falsch ab und muss an einer eigentlich ungünstigen Stelle wenden – klappt aber. Danach sind wir wieder richtig unterwegs. Auf der N260 Richtung Llançà machen wir den Stopp in Peralada zum Entsorgen.

Meine Frau möchte noch in einen Supermarkt – das war abzusehen. Eigentlich braucht sie nur Milch und Wasser, aber am Ende wird es deutlich mehr: Paprika, Baguette, Reiswaffeln und natürlich frische Erdbeeren. Bei fast 30 Grad auch verständlich.


Zurück am Anfang

Zum Mittagessen gibt es zwei gegrillte Hähnchenschenkel aus dem Supermarkt, danach die Erdbeeren. Wir sitzen im Schatten unseres Campers, schauen aufs Mittelmeer, hören Vögel und Kuhglocken und lassen den letzten Urlaubstag ruhig ausklingen. Morgen steht die Heimfahrt an.

Plötzlich stehen sie direkt vor uns: Kühe. Wie aus dem Nichts tauchen sie auf, bleiben erschrocken stehen und starren uns an. Eine ganze Weile passiert gar nichts, dann beginnen sie, sich vorsichtig in einem großen Bogen an uns vorbeizuschieben. Junge Tiere, unerfahren, entsprechend vorsichtig. Wer hier oben so abgeschieden lebt, ist fremde Besucher nicht gewohnt.

Das Ganze zieht sich. Immer wieder kommen Nachzügler, die ebenfalls erst zögern, dann ihren Weg um uns herum suchen. Am Ende dauert das Schauspiel fast eine Stunde, bis die letzte Kuh vorbei ist. Inzwischen ist die Sonne verschwunden, und es wird schnell kühl. Wir verziehen uns in den Esel.

Wir hoffen auf eine ruhigere Nacht als beim letzten Mal. Bisher hat sich jedenfalls niemand an uns gestört – alle, die vorbeikommen, grüßen freundlich und ziehen weiter.


Abschied von den Pyrenäen

Am Morgen geht die Sonne direkt über dem Meer auf. Allerdings liegt ein milchiger Dunst in der Luft, der alles etwas weich zeichnet.

Die Nacht war ruhig – größtenteils. Irgendwann schrecken wir im Schlaf hoch, weil der Esel ordentlich wackelt. Wind ist aber keiner zu hören. Ein Blick nach draußen erklärt alles: Die Kühe sind zurück. Ich gehe vorsichtshalber raus und sehe im Schein der Taschenlampe, dass eine Kuh offenbar am Fahrzeug entlanggeschubbert ist. Ob aus Versehen oder als Kratzbaum-Ersatz, bleibt offen. Schaden gibt es keinen. Wir legen uns wieder hin, brauchen aber etwas, um erneut einzuschlafen.

Am Morgen lassen wir es ruhig angehen. Es ist warm genug, um draußen zu frühstücken – mit Blick aufs Meer. Genau so hatte ich mir das vor zwei Wochen vorgestellt, nur hatte das Wetter damals andere Pläne. Wir machen noch ein paar Fotos, dann geht es los: 9:15 Uhr, Abfahrt Richtung Heimat. Nach einer Übernachtung an der Schleuse von Ottmarsheim (F) sind wir Sonntagnachmittag nach insgesamt 4430 Kilometern wieder zurück in Kassel.