Die Auslieferung unseres Grand California 680 ist noch keine 24 Monate her, da haben wir bereits 200 Übernachtungen und 42.000 Kilometer in unserem „Esel“ hinter uns. Nicht schlecht für jemanden in Vollzeitbeschäftigung.

Das wichtigste zuerst: Wir sind mit unserem Grand California 680 immer noch sehr zufrieden. Von den in verschiedenen Kanälen beschriebenen Problemen bezüglich Dichtheit, Elektrik oder Möbelbau sind wir verschont geblieben.

Unsere Modifikationen am Fahrzeug haben sich bewährt und sorgen beim Reisen für eine gewisse Gelassenheit.

Innenraum des Grand California 680 auf Langzeitreise

Autark reisen im Grand California 680

Dass wir die Autarkie mit unserem Grand California wirklich leben, zeigt sich recht deutlich:

Bis heute haben wir trotz erheblichen Strombedarfs niemals Landstrom genutzt.

Zwar standen wir acht Nächte auf Camping- oder Stellplätzen, doch auch dort verzichteten wir bewusst auf einen Stromanschluss, denn wir haben gar kein passendes Kabel dabei.

Grand California 680 Erfahrungen beim autarken Reisen auf Stellplatz in der Natur

Zum Kochen haben wir Flüssiggas in einer 11 Kg Alu-Gasflasche an Bord. Es ist ein hocheffizienter Energiespeicher, den wir niemals durch Batterien ersetzen könnten. Gasfreiheit im Camper ist also kein Thema für uns.

In zwei Jahren haben wir 6,6 kg Gas verbraucht. Die verbleibenden 4,4 Kg werden also problemlos für das kommende dritte Jahr ausreichen. Im Sommer und auf Kurzreisen nutzen wir übrigens immer einen elektrischen Wasserkocher, was unseren Gasverbrauch entsprechend reduziert.

Trinkwasser im Grand California 680

In unserem Wassertank sind weder Silbernetze noch Filter verbaut. Wir achten darauf, ausschließlich sauberes Trinkwasser aus Wasserhähnen, Brunnen, Quellen oder Bächen zu verwenden. Gelegentlich füge ich dem Wasser mit einer Pipette eine geringe Menge Chlor hinzu.

Bei der Betankung mit einem 15-Liter-Kanister lässt sich das gut dosieren. Die Dosierung orientiert sich an den Grenzwerten unseres heimischen Wasserversorgers. Für manche mag diese Methode ungewöhnlich erscheinen – wir blicken jedoch auf über 40 Jahre Erfahrung damit zurück.

Duschen – innen und außen

Natürlich nutzen wir auch regelmäßig die Dusche im Fahrzeug. Um Schäden zu vermeiden, behandeln wir Armatur und Schlauch sehr vorsichtig. Damit das Wasser beim Duschen ausschließlich in die Duschwanne läuft, verwenden wir einen Duschvorhang, der mit Klettband ganz oben an der Badwand befestigt ist. Er reicht vom Klapp-Waschbecken über die Toilette bis zur Tür.

So ausgerüstet hatten wir bislang keine Probleme mit Wasser im Schrank oder undichten Silikonfugen. Nach dem Duschen wird das Bad gründlich abgetrocknet und bei Bedarf mit der Heizung stark aufgeheizt.

Wann immer es Wetter und Stellplatz erlauben, nutzen wir die Außendusche am Heck. Das funktioniert hervorragend und spart das anschließende Trockenwischen im Bad.

Beim Ein- und Ausstecken des Duschschlauchs in die Steckkupplung ist allerdings Sorgfalt gefragt. Nach dem Trennen schalte ich die Wasserpumpe ein und überprüfe die Dichtigkeit. Falls noch Wasser austritt, wird die Dusche kurz erneut eingesteckt und direkt wieder herausgezogen – danach bleibt die Kupplung zuverlässig dicht.

Toilette ohne Chemie

Wir nutzen die Kassettentoilette im Grand California ohne jegliche Zusätze. Die SOG-Entlüftung mit Aktivkohlefilter arbeitet einwandfrei und verhindert zuverlässig unangenehme Gerüche im Fahrzeug. Den SOG Filter tausche ich jährlich. Dabei wird jedoch nur die Aktivkohle im Filter erneuert. Chemische oder biologische Mittel waren bisher nicht nötig.

Nach vier Tagen Nutzung ist die Kassette voll. Bisher war die Entsorgung des Kassetteninhaltes auf unseren Reisen kein Problem. Für den Fall das es mal nicht funktionieren sollte, bewahren wir eine zweite, bisher unbenutzte Kassette im Gasschrank auf.

Für den absoluten Notfall liegen dort außerdem wasserdichte Beutel, mit denen der Kassetteninhalt im Stil einer Clesana-Lösung im Müll entsorgt werden könnte. Interessanterweise stellen wir unterwegs immer wieder fest, dass die Entsorgung von Hausmüll oft schwieriger ist als das Finden einer geeigneten Toilettenentsorgung.

Auch die Serviceklappe der Toilette behandle ich äußerst vorsichtig. Sie wird behutsam geöffnet, im nachgerüsteten Fangseil abgelegt und niemals als Ablage genutzt. Das Schließen erfolgt mit beiden Händen. Bislang sind wir von den bekannten Rissen im Rahmen verschont geblieben.

Unterwegs in Europa

Bei den Reisezielen außerhalb Deutschlands haben wir uns in den zurückliegenden Jahren häufig auf den Spuren unseres roten Bus bewegt. Im Jahr 2024 waren Frankreich, Dänemark, Schweden, Norwegen und Finnland die Ziele. In 2025 kamen die Schweiz, Italien, Polen, Litauen, Lettland und Estland hinzu.

Fahrwerk, Allrad und Schotter

Wenn wir Gravel Roads fahren können bin ich glücklich, denn dafür ist der Esel ausgerüstet worden. Das dezent höher gelegte Fahrwerk, die Schutzplatten unter dem Fahrzeug und die robusten breiten Reifen sind zusammen mit dem 4Motion Antrieb und der Differenzialsperre eine runde Sache.

Matschige oder ausgefahrene Waldwege sind jetzt kein gefürchtetes Hindernis mehr. Die berüchtigte nasse Wiese kostet nur ein müdes Lächeln. Bei Eis und Schnee sorgt der Allradantrieb für guten Vortrieb. Wenn der Schotter etwas grober wird geben die BF Goodrich Reifen die gewünschte Sicherheit.

Die Abnutzung der BF Goodrich Reifen ist nach 25.000 Kilometern nicht besonders hoch. Das Restprofil hat eine Tiefe zwischen 8,5 und 9,0 mm. Damit der Abrieb auf alle Reifen gleichmäßig verteilt wird, tausche ich einmal im Jahr die Räder inklusive Ersatzrad über Kreuz durch.

Grand California 680 mit Allradantrieb auf Schotterpiste in Europa

Größe hat ihren Preis

Das unser grauer Esel die Abmessungen eines Elefanten hat, wird mir nicht nur auf jedem Supermarktparkplatz bewusst. Der lange Radstand fordert Raum beim Abbiegen und Einparken. In spitzen Kehren müssen wir hin und wieder zurücksetzen, weil der Wendekreis so groß ist.

Auch die Fahrzeughöhe ist nicht ohne. Auf Sardinien mussten wir mehrmals lange Strecken zurücksetzen, weil tiefhängende Äste im Weg waren. Bei den Preisen, die VWN für ein neues Dachfenster aufruft, gehen wir da kein Risiko ein.

Trotzdem würden wir den Esel nie gegen einen kürzeren Grand California 600 tauschen wollen. Die längere Karosse bietet deutlich mehr Platz und Komfort, den wir nicht mehr missen wollen.

Elektrik – die Schattenseite

Ein echtes Ärgernis sind die elektrischen Verbraucher im VW Crafter. Bei nahezu jeder Aktivität wird das CANBUS-System geweckt und verursacht einen hohen Stromverbrauch bei den AGM Batterien. Selbst eine kurze Verbindung mir der Volkswagen-App genügt, um den Stromfluss zu starten.

Im Sommer wird dieser Verbrauch durch das Solarmodul ausgeglichen, in der dunklen Jahreszeit jedoch nicht. Die Folge ist eine starke Belastung der AGM-Batterien. Aktuell deutet alles darauf hin, dass die 92-Ah-Starterbatterie bereits nach zwei Jahren defekt ist.

Schlussfazit

Nach zwei Jahren und 200 Nächten zeigt sich: Der Grand California 680 passt zu unserer Art zu reisen. Autark, unabhängig und ohne Landstrom – genau so, wie wir es uns vorgestellt haben.

Er ist kein perfektes Fahrzeug. Größe, Höhe und die Crafter-Elektrik verlangen Aufmerksamkeit. Wer das akzeptiert und sein Fahrzeug versteht, bekommt jedoch ein zuverlässiges Reisemobil mit viel Komfort und großer Freiheit.

Würden wir ihn wieder kaufen? Ja.

Nicht, weil er fehlerfrei ist, sondern weil er zu uns passt.

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