Im Oktober 2025 waren wir spontan zu einer Herbsttour in Finnland und Schweden, denn wir wollten wieder einmal Polarlichter sehen. Finnlines hatten ein gutes Angebot für die Fähre nach Helsinki, bei dem ich schwach geworden bin. Von Travemünde mit dem Schiff Richtung Helsinki. Zwei Übernachtungen an Bord und im Laderaum unser Camper, genannt ESEL.


Ein holpriger Start

Am 2. Oktober ging es los. Die Frau war bereits am frühen Nachmittag fertig, während ich noch im Home Office saß und mich durch Abrechnungen und Telefonate arbeitete.

Als ich schließlich fertig war, stand der Esel bereit. Gepackt, sortiert, durchdacht. Kleidung für verschiedene Temperaturen, Lebensmittel für die ersten Tage. Ich musste im Grunde nur noch einsteigen und losfahren.

Die ersten Kilometer verliefen ruhig, fast unspektakulär. Doch das änderte sich schneller als erwartet. Der Verkehr wurde dichter, die Geschwindigkeit nahm ab, und schließlich erreichten wir eine Baustelle bei Soltau. Drei Spuren wurden auf eine reduziert – ein klassischer Engpass, der sich in Zeit misst.

Noch war das alles im Rahmen. Wirklich kritisch wurde es erst hinter Hamburg. Der Verkehr kam plötzlich vollständig zum Erliegen. Motor aus. Warten.

In solchen Momenten verändert sich die Wahrnehmung. Man hört weniger, schaut mehr. Man beobachtet die Umgebung, die Menschen in den anderen Fahrzeugen, die Uhr. Vor allem aber beginnt man zu rechnen: Wie viel Zeit bleibt? Wie weit ist es noch? Was passiert, wenn sich das hier nicht bald auflöst?

Feuerwehrfahrzeuge und ein Notarztwagen bewegten sich durch die Rettungsgasse, und es war klar, dass sich der Stau nicht so schnell auflösen würde. Neben uns lag ein Rasthof, und ich bemerkte, wie einzelne Fahrzeuge begannen zu wenden und über einen unscheinbaren Weg verschwanden.

Erst nach einiger Zeit wurde klar, dass eine Ableitung von der Autobahn eingerichtet wurde. Die Fahrzeuge setzten sich langsam in Bewegung – allerdings nicht in die ursprüngliche Richtung, sondern in einem Geflecht aus Abbiegen, Wenden und Einfädeln. Fahrzeuge von der Autobahn, vom Rastplatz und aus der Gegenrichtung mussten sich auf engem Raum sortieren.

Es wirkte chaotisch, fast improvisiert, aber erstaunlicherweise funktionierte es. Jeder suchte seinen Platz, ließ andere hinein, und Stück für Stück kam Bewegung in das Ganze.

Als wir wieder auf freier Strecke waren, änderte sich die Situation schlagartig. Weniger Verkehr, gleichmäßiges aber höheres Tempo. Die letzten Kilometer zum Skandinavienkai verliefen nahezu ruhig.

Wir erreichten den Check-in von Finnlines noch innerhalb des Zeitfensters. Nicht mit großem Puffer, aber ohne Hektik. In diesem Moment fiel unsere Anspannung spürbar ab.


Auf See: Übergang in einen anderen Rhythmus

Sobald wir an Bord waren, stellte sich ein anderes Tempo ein. Die Hektik der Anreise wich einer ruhigen, fast trägen Stimmung. Die Kabine wurde bezogen, die wichtigsten Dinge verstaut, dann setzte die Müdigkeit ein.

Eine kleine Störung mit der Toilette sorgte noch für einen kurzen Gang zur Rezeption, wurde jedoch schnell behoben. Danach war klar: Jetzt beginnt der Urlaub wirklich.

Der nächste Morgen begann früh, zumindest nach innerer Uhr. Dennoch blieb alles ruhig. Wir haben die Fährpassage ohne Mahlzeitenpaket gebucht. Daher bereitete ich den Kaffee selbst zu, die Frau deckte den kleinen Tisch. Brötchen wurden aufgeschnitten, das am Vortag gekochte Ei im heißen Wasser wieder erwärmt – einfache Abläufe, die auch auf engem Raum funktionieren.

Nach dem Frühstück trat diese typische Urlaubsträgheit ein. Man legt sich nur kurz hin – und schläft deutlich länger als geplant. Als wir wieder aufstanden, war der Tag bereits weit fortgeschritten.

Draußen auf dem Deck zeigte sich ein ruhiges Bild. Die See war vergleichsweise glatt, das Licht weich, die Sonne stand flach am Himmel. Vereinzelte Schiffe zogen am Horizont vorbei, ohne die Ruhe zu stören.

Am Abend richtete sich der Blick erstmals bewusst zum Himmel. Die Bedingungen waren nicht ideal, doch auf den Fotos ließ sich ein schwacher grüner Schimmer erkennen. Noch kein echtes Nordlicht, aber ein erster Hinweis darauf, dass sich das Warten lohnen könnte.


Finnland: Unterwegs im Gleichmaß

Finnisches Eisenbahnmuseum

Unser erster Stopp in Finnland führt uns zum Finnisches Eisenbahnmuseum. Ganz ehrlich: Ich hatte mir etwas mehr erhofft. Die Fahrzeuge stehen dicht gedrängt in einer Halle, manchmal zwischen dicken Pfeilern, was ihnen viel von ihrer Wirkung nimmt. Meist kann man sie nur von außen anschauen, und selbst ein Blick ins Innere ist oft schwierig, da vieles nicht beleuchtet ist. Auch die Führerstände der Lokomotiven lassen sich nur von unten erahnen.

Im Ringlokschuppen wirkt es immerhin etwas authentischer und heller, was mir besser gefällt. Das Außengelände ist eher unspektakulär, hauptsächlich Gebäude ohne großen Aha-Effekt. Ein kleines Highlight sind die dargestellten Spurweiten und Schienenprofile – das ist ganz anschaulich gemacht.

Nach rund zwei Stunden sind wir durch. Nicht schlecht, aber auch nichts, was wirklich in Erinnerung bleibt. Im angrenzenden Supermarkt holt die Frau noch etwas zum Kaffee. Dann fahren wir Richtung Rauma.


An die Westküste

Die Altstadt von Rauma mit ihren Holzhäusern ist – laut Nordlandblog – sehenswert, doch wir bewegten uns eher ohne festen Plan durch die Straßen. Es ging weniger darum, alles zu sehen, sondern vielmehr darum, ein Gefühl für den Ort zu bekommen. Nach einer guten Stunde sitzen wir wieder im Esel und trinken Käffchen, dazu die Plunderstückchen vom Supermarkt – oder so dachten wir. Die Teilchen sind aus herzhaften Roggenteig und mit Kartoffelpüree gefüllt.


Mit der Zeit verlagerte sich der Fokus immer stärker auf das Unterwegssein selbst. Die Straßen führten durch ausgedehnte Waldgebiete, vorbei an Seen, über lange Abschnitte ohne nennenswerten Verkehr.

Das Wetter spielte dabei eine konstante Nebenrolle: viel Grau, immer wieder Regen, nur gelegentlich Auflockerungen. Besonders entlang der Küste bei Vaasa zeigte sich, wie sehr die Landschaft durch üppige Vegetation geprägt ist. Obwohl die Straße oft nah am Wasser verläuft, bleibt der Blick darauf meist verborgen.

Dennoch entwickelte sich daraus eine eigene Atmosphäre. Wir hielten an kleinen Rastplätzen, tranken Kaffee im Auto, bestellten Pizza, kauften Fisch beim Straßenhändler und bereiteten einfache Mahlzeiten zu. Dabei immer die Landschaft im Blick, die ruhig, grau und gleichmäßig wirkte.

Mit der Zeit entsteht bei dem regnerischen Wetter eine gewisse Gelassenheit oder auch Lethargie. Nördlich von Rovaniemi sollte der Himmel frei sein. Ich überlegte, ob eine lange Etappe dorthin besser wäre. Verwarf den Plan allerdings wieder, denn wir wollten ja die Westküste Finnlands sehen.