Wintereinbruch in den Pyrenäen – unterwegs nach Andorra
Am Morgen traue ich meinen Augen kaum: Alles ist weiß. Eine dicke Schneeschicht liegt über der Landschaft, Eiskristalle ziehen sich über die Fensterscheiben, und vom Dach rutscht immer wieder schwerer Schnee herunter. Perfekte Bedingungen – also schnappe ich mir die Kamera und stapfe los. Etwa 15 Zentimeter Neuschnee, die Sonne kämpft sich gerade über die Bergkante. Genau der Moment, den ich einfangen will.



Der Weg ist anstrengend, aber dieses Knirschen unter den Schuhen und das Licht machen alles wett. Während ich fotografiere, bereitet die Frau im „Esel“ das Frühstück vor – warm, trocken und deutlich gemütlicher als draußen.
Nach dem Frühstück wartet schon die nächste Aufgabe: Die Frontscheibe ist komplett zugeschneit. Gut, dass ich den neuen ausziehbaren Schneebesen dabei habe – extra breit und lang. Damit bekomme ich nicht nur die Scheibe frei, sondern kann auch den Schnee teilweise vom Dach herunterziehen. Sonst rutscht er direkt in die Schiebetür und tropft uns auf den Küchenblock.




Trotz der Kälte hat das Ganze etwas: Wir sitzen noch kurz mit offener Schiebetür im Sonnenlicht und trinken einen Cappuccino. Um uns herum fällt immer wieder Schnee von den Ästen – lautlos und dann plötzlich mit einem dumpfen „Wumm“.
Ich lasse die Drohne steigen – aus der Luft muss diese Winterlandschaft großartig aussehen.





Später machen wir noch einen kleinen Spaziergang durch unberührten Schnee. Jeder Schritt knirscht, von den Bäumen rieselt es, und die Frau baut sogar einen kleinen Schneemann. Solche Momente kann man nicht planen.


Gegen 11 Uhr brechen wir auf. Die Strecke ist heikel: Unter dem Schnee sieht man nicht, was einen erwartet – Matsch, Gräben oder feste Fahrbahn. Ich fahre entsprechend vorsichtig, wobei der Bergabfahrassistent auf steilen Passagen wirklich gut unterstützt. Ein Ausstattungsdetail welches ich abseits von Asphaltstraßen nicht mehr missen möchte. Nebenbei halte ich ein paar Eindrücke mit dem iPhone fest, immer mit einem Auge auf den Weg.







Einige Äste hängen so tief, dass die Frau sie erst vom Schnee befreien muss. Kaum schüttelt sie daran, schnellt der Ast nach oben – und der Schnee landet auf ihr. Ein nasses Vergnügen. Einmal muss ich sogar einen Ast absägen, damit wir weiterkommen.
Endlich erreichen wir wieder geräumte Straßen – eine echte Erleichterung.
Unser Plan: südlich weiter über La Molina. Hier können wir auch einkaufen. Doch im Ort dann die Überraschung: Die Straße nach Castellar de n’Hug ist gesperrt – ohne jeden Hinweis, selbst auf Google Maps finden wir keinen. Also alles zurück und doch der Umweg über den Norden Richtung Andorra.

Nach Andorra
Je näher wir Andorra kommen, desto winterlicher wird es. Die Pässe sind gesperrt und wir fahren durch die Tunnel. Schneepflüge sind im Dauereinsatz. Ich wundere mich zunächst, warum unser Ziel, der große Parkplatz in Pas de la Casa, völlig leer ist. Ist er nicht! Während es bei uns letzte Nacht 15 cm Schnee gab, fielen hier auf 2080 Meter Höhe ganze 150 cm Neuschnee, unter dem jetzt kein Auto mehr erkennbar ist. Aus einer Schneewand an der Hauptstraße hängen zerfetzte Bleche und Motorteile raus. Hier hat die Schneefräse definitiv kein Erbarmen mit Falschparkern.


Übernachtungsplatz Andorra
Wir ergreifen die Flucht und finden auf 1700 Meter Höhe, westlich von El Tarter einen kostenlosen Parkplatz – schon gut gefüllt mit anderen Wohnmobilen. Wir schieben uns in eine Ecke und unserer ersten Übernachtung in Andorra steht nichts mehr im Wege.



Nach dem Essen geht die Frau noch einkaufen. Direkt gegenüber vom Supermarkt entdeckt sie eine Parfümerie. Düfte in großen Glasbehältern, man sucht sich seinen Favoriten im Ordner aus und bekommt ihn abgefüllt. Deutlich günstiger als zuhause.
Zurück am Esel merken wir: Es wird ungemütlich. Der Wind frischt auf, der Schnee wird schwerer, fast schon matschig. Der Platz füllt sich immer weiter – Wohnmobile aller Art, Familien, Hunde, Wintersportler. Neben uns steht ein Pickup mit Dachzelt und externer Heizung. Keine schlechte Idee bei den Temperaturen.
Wir ziehen uns in unseren warmen „Esel“ zurück und lassen den Tag mit einem Film auf dem iPad ausklingen.
Draußen pfeift der Wind. Drinnen ist es gemütlich.